Wolfgang Harms: Drei Wandgemälde an der Deggendorfer Grabkirche
Daten:
Künstler: Harms, Wolfgang
Lebensdaten: * 1950
Gattung: Malerei
Datierung: zwischen 1976 und 1980
Adresse: Michael-Fischer-Platz 1, 94469 Deggendorf
In den 1330er Jahren fielen die Deggendorfer Juden, bei denen einige Bürger verschuldet waren, einem Pogrom zum Opfer. Danach begann man – eventuell mit Hilfe der nun zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel – mit dem Bau der Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul. Zunächst lag die Bedeutung des Gotteshauses vor allem in der Verehrung des dortigen Heiligen Grabes, im Verlauf des 16. Jahrhunderts trat zunehmend die Anbetung der vermeintlich von den Juden im Vorfeld des Pogroms geschändeten Hostien in den Vordergrund. Daraus entwickelte sich die Wallfahrt zur Deggendorfer Gnad, die bis 1991 jährlich im Herbst begangen wurde.
An der Kirche befinden sich drei Wandmalereien, die im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals erneuert werden mussten. In den 1950er Jahren hat man den aus Schaufling stammenden Kirchenmaler und Restaurator Gotthard Bauer (1887 bis 1976) damit beauftragt. Die heutigen, an die vorherigen Versionen angelehnten Fassungen schuf Wolfgang Harms zwischen 1976 und 1980. Das Bild über dem Nordportal stammt laut Manfred Eder (Die „Deggendorfer Gnad, Deggendorf 1992, S. 410-412) ursprünglich aus der Zeit um 1630 und stellt die Grablegung Christi dar. Die anderen beiden Szenen beziehen sich auf fiktive Ereignisse aus den 1330er Jahren. Das Gemälde am Giebel der Bäckerkapelle an der Südfassade (erste Fassung wohl um 1730) zeigt die Auffindung der von den Juden in den „Gnadenbrunnen“ geworfenen Hostien, das über dem Südportal angebrachte (ursprünglich um 1500) die feierliche Übertragung derselben in die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die sich außerhalb der Stadtmauern befand.
Der 1950 geborene Wolfgang Harms stammt aus Unterbissingen im Landkreis Dillingen. Nach einer Malerlehre, der Tätigkeit als Grafiker und dem Besuch der Fachhochschule für Gestaltung in Augsburg studierte Harms von 1972 bis 1978 an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, wo er noch heute lebt. Er ist für seine Wandmalereien sowie seine Tafelbilder bekannt und gilt als bedeutender Vertreter des Phantastischen Realismus. (Florian Jung, Kreisheimatpfleger Deggendorf)
Karte anzeigen