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Kunst in Niederbayern

Leopold Wenzel Hafner: Glockenrelief Iggensbach

Foto: Florian Jung

Daten:

Künstler: Hafner, Leopold Wenzel

Lebensdaten: * 1972

Gattung: Relief

Material: Bronze

Datierung: 2020

Auf einer der im Turm der Kirche von Iggensbach hängenden Glocken ist neben einem Kreuz folgende Inschrift angebracht: „ANNO · M · C · XL · IIII · AB · INCAR · DNI · FVSA · E · CAPA“ („Anno M C XL III ab incarnatione Domini fusa est campana”: „Im Jahre 1144 nach der Menschwerdung des Herren ist die Glocke gegossen worden“). Diese wiegt 50 Pfund, hat eine Höhe von 41 cm und am unteren Rand (Schlagring) einen Durchmesser von 35 cm. Der Ton ist ein tiefes F, wird jedoch auch als blecherner Klang bezeichnet.
Bienenkorbglocken waren vom achten bis zum zwölften Jahrhundert verbreitet. Ihre Merkmale sind ein gedrungener Glockenkörper, eine geringe Schweifung, eine gerundete Haube und ein kaum ausgeprägter Schlagring. Die bekanntesten Exemplare in Deutschland sind die Glocke von Haitabu (Schleswig-Holstein; um 950), die Walbecker Glocke (Sachsen-Anhalt; datiert "M", d. h. 1000, doch heute verschollen), die Glocke von Hachen (Westfalen; 11. Jh.) und die Lullus-Glocke in Bad Hersfeld (Hessen; 1038, Jahreszahl steht nicht auf der Glocke, lässt sich aber anhand der Aufschrift erschließen). Somit ist die Glocke von Iggensbach die älteste direkt datierte erhaltene Glocke Deutschlands. Woher sie stammt, ist nicht geklärt. Sie wird als Sterbeglocke verwendet und ziert seit 1980 das Wappen der Gemeinde Iggensbach.
Als der Kirchturm im Jahre 2020 instand gesetzt wurde, hat man die Klangöffnung, durch welche die Glocke bisher zu sehen war, mit Schalllamellen versehen. Daher entstand die Idee, an diesen ein Relief anzubringen, das die Glocke zeigt. Das Kunstwerk hat Leopold Wenzel Hafner in Bronze ausgeführt. Das Kreuz wurde von der Glocke übernommen, die Aufschrift „Anno 1144“ ist für den Betrachter aus der Ferne leichter zu erkennen, als dies bei einer Kopie der auf der Glocke angebrachten römischen Jahreszahl der Fall gewesen wäre.   

Leopold Wenzel Hafner wurde 1972 in Passau geboren und wurde während seiner Kindheit und Jugend durch seinen Vater, den Bildhauer Leopold Hafner (1930 bis 2015) geprägt, in dessen Atelier er mitarbeitete. 1992 bis 1995 absolvierte der angehende Künstler eine Steinmetzlehre in Estenfeld bei Würzburg, die er mit dem Gesellenbrief und der Auszeichnung als Landessieger im Steinmetzhandwerk abschloss. 1996 bis 2003 folgte das Studium der freien Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste München (Diplom). Seitdem ist Leopold Wenzel Hafner freischaffend als Bildhauer tätig. 2006 bis 2008 unterzog er sich einem Aufbaustudium für Denkmalpflege und Sanierung in Bamberg (Masterabschluss). Hafner lebt und arbeitet mit seiner Familie im Alten Pfarrhof in Aicha vorm Wald. (Florian Jung, Kreisheimatpfleger Deggendorf)

Foto: Felix Mader (Hg.) Die Kunstdenkmäler von Niederbayern. XVII Stadt und Bezirksamt Deggendorf. Bearbeitet von Karl Gröber München 1927 S. 127
Zeichnung: Felix Mader (Hg.) Die Kunstdenkmäler von Niederbayern. XVII Stadt und Bezirksamt Deggendorf. Bearbeitet von Karl Gröber München 1927 S. 129
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