Erika Einhellinger: Knödelwerferin
Daten:
Künstlerin: Einhellinger, Erika
Lebensdaten: * 1941
Gattung: Brunnen
Material: Figur: Bronze, Brunnen: Granit
Datierung: 1985
Adresse: Schlachthausgasse (Ecke zu Westlicher Stadtgraben), 94469 Deggendorf
Die Kurzfassung der Deggendorfer Knödel-Sage lautet: „Als König Ottokar von Böhmen Deggendorf belagerte, nutzte eine findige Köchin ihre Knödel auf besondere Art: Sie warf sie nach einem feindlichen Spion, der gerade die Stadtmauer erklomm. Der Treffer saß – der Spion fiel (in den Stadtgraben) und berichtete seinem Heer, dass die Deggendorfer noch so viel Essen hätten, dass sie damit werfen könnten. Die Belagerung wurde aufgegeben, die Stadt war gerettet – dank eines Knödels.“ (https://www.knoedelwerferin-deggendorf.de/gasthaus, Aufruf 24.04.2025).
Der wahre Kern dieser Geschichte liegt darin, dass der König von Böhmen um 1260 Feldzüge ins heutige Ostbayern unternahm. Eine damalige Belagerung Deggendorfs ist jedoch ausgeschlossen. Die von den Wittelsbachern forcierte Entwicklung zur Stadt einschließlich deren Befestigung nahm nach dem Aussterben der Grafen von Bogen im Jahre 1242 ihren Anfang und zog sich über Jahrzehnte hin. Auch für eine um 1430 während der Hussitenkriege erfolgte Belagerung Deggendorfs, mit der die Sage ebenfalls in Verbindung gebracht wird, gibt es keine Belege. Diese ist wohl um 1900 aufgrund der falschen Interpretation zweier für Prangerstrafen verwendeter Schandkugeln aus Granit entstanden, die an der Südfassade des alten Rathauses hängen.
1985 wurde im Rahmen der als Altstadtsanierung bezeichneten Neubebauung eines Stadtviertels ein Brunnen mit einer Bronzeplastik der Knödelwerferin von Erika Einhellinger aufgestellt. Das Brunnenbecken aus Granit hat der in Englburg ansässige Bildhauer Karl Mader (1926-2004) geschaffen. Heute gilt der Knödel als Wahrzeichen Deggendorfs, das auch touristisch vermarktet wird. (Florian Jung, Kreisheimatpfleger Deggendorf)
Quellen:
Winfried Berner: Kunst und Objekt. Landshut 1994, S. 19.
Lutz-Dieter Behrendt: Deggendorf. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2017.
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