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Kunst in Niederbayern

Andreas Sobeck: Tanz auf dem Seil

Foto: Johannes M. L. Pasquay

Daten:

Künstler: Sobeck, Andreas

Lebensdaten: 1942–2018

Gattung: Plastik/Skulptur

Material: Aluminiumguss

Abmessung: 1,7 x 0,8 x 0,4 Meter

Datierung: 1989

Adresse: Rosengasse 10, 94469 Deggendorf

Eigentümer: Stadt Deggendorf

Andreas Sobeck wurde 1942 in Breslau geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen – nach seinem vierten Lebensjahr als Halbwaise – in Hengersberg und Deggendorf auf. Der materielle Mangel der Nachkriegszeit ging mit einem großen inneren Reichtum einher, der sich in einem ausgeprägten Gestaltungswillen äußerte. Dies zeigt schon Sobecks Frühwerk (unter anderem Kleinplastiken, Grafiken, Druckgrafiken). Nachdem er 1961 in Deggendorf das Abitur abgelegt hatte, studierte Sobeck Bildhauerei, Kunstpädagogik und politische Wissenschaften in München und Rom. Anschließend absolvierte er zwar die Referendarzeit als Kunsterzieher, war jedoch ab 1968 freiberuflich tätig. 1973 zog er nach Wenigmünchen (Landkreis Fürstenfeldbruck). Zwischen der Zeit um 1970 und der Mitte der 1980er Jahre arbeitete Sobeck intensiv mit Manfred Mayerle (1939 in München geborener Maler und Bildhauer, im Bereich Bildende Kunst bzw. Architektur tätig) zusammen. In den 1990er Jahren wurde Niederbayern (Winzer, Deggendorf) für Sobeck wieder zum Mittelpunkt von Leben und Arbeit. Der Bildhauer verstarb 2018 in Deggendorf.

Im Jahr der Eröffnung der Deggendorfer Stadtbibliothek (1989) wurde ein Kunstwerk von Andreas Sobeck in das Atrium integriert. Es handelt sich um eine Aluminiumplastik in Gestalt eines Seiltänzers, der sich auf den Turm der Grabkirche zuzubewegen scheint. Dem Künstler ging es zeitlebens darum, den kulturellen Leistungen historischer Epochen mit Respekt zu begegnen und eine Brücke zwischen diesen und der modernen Kunst zu schlagen. Außerdem geht die Arbeit von Sobeck auf Erinnerungen an Auftritte von Seiltänzern auf dem Deggendorfer Stadtplatz während seiner Kindheit beziehungsweise Jugend zurück. Schließlich wollte er mit dem „Tanz auf dem Seil“ auch verdeutlichen, dass kulturelle Tätigkeit häufig ein Drahtseilakt, das heißt eine Gratwanderung zwischen der Verwirklichung individueller Motive und der Rücksichtnahme auf politische bzw. öffentliche Vorstellungen ist. Der Körper des Artisten sollte ursprünglich frei pendeln, musste aber aus Sicherheitsgründen seitlich fixiert werden.
Das „Fliegende Schiff“ wurde anlässlich der 2014 in der Donaustadt zu sehenden Landesgartenschau aufgestellt. Das Kunstwerk ruft die Bedeutung der Donau für die Stadt Deggendorf ins Bewusstsein. Im Frühmittelalter entstand nahe eines natürlichen Flussübergangs das „Urfahr“, eine Siedlung, die sich zu einem Verkehrsknotenpunkt beziehungsweise einem Umladeplatz für Waren entwickelte. Deggendorfer Kaufleute waren über Jahrhunderte hinweg am Donauhandel beteiligt. Außerdem befand sich in Deggendorf im Mittealter und in der Frühen Neuzeit am Fluss eine Mautstelle. Um 1900 wurde ein Frachthafen angelegt, heute verfügt das Güterverkehrszentrum Hafen Deggendorf über moderne Umschlags- und Gleisanlagen. Auch die größte Flussmeisterstelle Bayerns befindet sich in Deggendorf. Der Schiffsbau hat ebenfalls eine lange Tradition. Seit 1924 gibt es die Deggendorfer Werft, die 1969 von MAN übernommen wurde und heute im Reaktor-, Apparate- und Anlagenbau tätig ist.
Andreas Sobeck legte großen Wert darauf, dass der Entwurf für das Fliegende Schiff von der Lehrlingswerkstatt des Unternehmens umgesetzt wurde, weil ihm die Verbindung zwischen Kunst und Handwerk am Herzen lag. Grundsätzlich sah Sobeck in seiner Arbeit auch ein Symbol für den intelligenten Umgang der Menschen mit den Kräften der Natur. (Florian Jung, Kreisheimatpfleger Deggendorf)

Foto: Liana Axinte
Foto: Liana Axinte
Foto: Liana Axinte
Foto: Florian Jung
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